Togo Fahrt 2025
Mitten in der Nacht des 16. Juli 2025 hieß es für uns: Abfahrt Richtung Flughafen. Wir, eine Gruppe von zehn jungen Menschen, waren schon Tage und Wochen zuvor voller Vorfreude, Aufregung und Neugier auf unsere gemeinsame Reise nach Togo. Je näher wir unserem Ziel kamen, desto größer wurde die Freude, aber auch einige Sorgen mischten sich darunter. Die meisten von uns waren vorher noch nie in Togo, weshalb wir uns kaum vorstellen konnten, was uns erwarten würde.
In Deutschland hatten wir uns zwar einige Male getroffen, um uns auf die Reise vorzubereiten, doch trotzdem waren wir völlig überwältigt, als wir schließlich in Lomé ankamen. Die warme Luft, die vielen Geräusche und ein kleiner Bulli, in den wir uns alle inklusive unseres Gepäcks quetschten, um nach Tsévié zu fahren. Während der gesamten Fahrt waren wir sprachlos und schauten staunend aus dem Fenster auf die Straßen voller Roller und überladener Autos. Als wir dann beim CFPR tanzend und singend in Empfang genommen wurden, waren alle Sorgen verschwunden. In diesem Moment wussten wir, es wird eine unvergessliche Zeit.
Am ersten Morgen stand nach ausreichend Erholung zunächst ein erstes Kennenlernen auf dem Programm. Danach ging es direkt auf eine Erkundungstour durch die Umgebung, natürlich wurden auch viele Kokosnüssen und Früchten am Straßenrand probiert. Immer wieder staunten wir darüber, wie scheinbar alles Mögliche mühelos auf dem Kopf transportiert werden kann. Wir versuchten auch uns daran, allerdings eher mit geringem Erfolg.
Anschließend nahm uns unser lieber Freund Pap‘kul mit zu seiner Ananasfarm und zeigte uns, wie diese angebaut werden. Wir durften selbst mit anpacken und einige Pflanzen setzen. Seitdem können wir mit Sicherheit sagen, dass Ananas in Togo am besten schmecken.
Die nächsten Tage waren eine echte Reizüberflutung. Umso dankbarer waren wir dafür, dass unsere Freunde aus Togo uns überallhin begleiteten. Wir wissen bis heute nicht, wie wir die Einkäufe auf dem Markt sonst überstanden hätten. Die vielen Roller, die Menschenmengen, die zahlreichen Verkäufer und die unterschiedlichsten Gerüche werden uns wohl noch lange im Gedächtnis bleiben.
Da nur eine von uns fließend Französisch sprach, wurde sie schnell zur festen Dolmetscherin unserer Gruppe. Der Rest verständigte sich mit Gesten, Improvisation und viel Humor.
Der erste Sonntag der Reise wurde mit einem Gottesdienst gestartet. Obwohl es auch ein katholischer Gottesdienst war, waren wir sehr beeindruckt. Die bunten Kleider und die Gesänge sind nicht mit katholischen Gottesdiensten hier zu vergleichen, trotzdem konnten wir gut folgen, da die Abläufe sich überall ähneln.
Am Nachmittag warfen wir uns in Sportkleidung für ein Fußballturnier. Auf einem steinigen und staubigen Boden war das deutlich anstrengender als wir dachten.
Abends saßen wir oft zusammen, tranken Bier oder Sodabi und tauschten Geschichten aus. Es waren wundervolle Abende, an denen manchmal bis in die Nacht gemeinsam getanzt, gesungen und gelacht wurde.
Neben unseren Erkundungen verbrachten wir viel Zeit in der Bibliothek. Dort wurden uns verschiedene Angebote und Projekte für Kinder und Jugendliche aus der Umgebung vorgestellt. Besonders schön war es, Zeit mit den Kindern zu verbringen, mit ihnen zu spielen und sie kennenzulernen. Wir haben sie sehr schnell ins Herz geschlossen.
Außerdem gab es mehrere Sitzungen, in denen wir über zukünftige Projekte des CFPR und die Partnerschaft gesprochen haben. Unter anderem ging es darum, dass ein Augenarzt aus Tsévié regelmäßig in die Bibliothek kommen soll, um den Menschen vor Ort Augenuntersuchungen zu ermöglichen.
Ein weiterer Programmpunkt war der Besuch einer Hähnchenfarm. Es war sehr interessant, die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen landwirtschaftlichen Betrieben in Togo und Deutschland zu sehen.
In der zweiten Woche fuhren wir in das Dorf Wli und besuchten dort ein Waisenhaus. Leider konnten nicht alle von uns daran teilnehmen, da unsere Mägen das Essen doch nicht so gut vertrugen, wie wir zunächst gedacht hatten. Den meisten ging es jedoch schnell wieder besser, sodass nicht allzu viel verpasst wurde.
Als es zum Meer nach Lomé ging, waren zum Glück wieder alle dabei. Die frische Meeresluft und die Ruhe am Wasser taten uns sehr gut. Die Wellen waren so groß, dass wir es uns auch nicht nehmen ließen, im Meer zu schwimmen.
Am nächsten Tag waren wir auf der Hochzeit von Béni, dem Koordinator des CFPRs, eingeladen. Um nicht allzu stark aufzufallen, haben wir uns vorher togoische Gewänder aus bunten Stoffen schneidern lassen. Die Gewänder sind auf jeden Fall ein schönes Andenken an die Reise sein.
Ein besonderes Highlight unserer Reise war der Kurztrip nach Kpalimé. Die dreistündige Fahrt im überfüllten Bulli, teilweise mit starken Magenproblemen, brachte uns an unsere Grenzen. Umso größer war die Erleichterung, als wir endlich im Hotel ankamen. Den Pool nutzten wir direkt, um uns zu erholen und gleichzeitig zu versuchen, die Schwimmkünste unserer togoischen Freunde zu verbessern.
In Kpalimé wanderten wir zu einer heiligen Fledermaushöhle im Regenwald. Einige von uns bewiesen dabei großen Mut und krochen durch die engsten Schächte der Höhle. Anschließend nahmen wir an einer botanischen Führung teil, bei der uns viel Interessantes über die Pflanzenwelt erklärt wurde. Wir probierten Kakaobohnen und zeichneten mit Naturfarben Tattoos auf die Haut. Es war beeindruckend, wie aus Pflanzen und anderen Naturprodukten richtige Kunstwerke entstehen können.
Der letzte Tag in Kpalimé begann mit einem Ausflug zu einem Wasserfall. Unter einem Wasserfall mitten im Regenwald zu baden, war nicht nur eine willkommene Abkühlung, sondern vor allem ein unvergessliches Highlight unserer Reise. Danach trafen wir uns mit einigen deutschen Freiwilligen, um uns über ihre Arbeit und Erfahrungen in Togo auszutauschen. Außerdem lernten wir ein großartiges Projekt kennen: nachhaltige Stoffbinden aus recycelten Materialien, die Mädchen und Frauen einen besseren Zugang zu Menstruationsprodukten ermöglichen sollen. Nach diesem spannenden Austausch ging es zurück nach Tsévié.
Da wir bis dahin schon öfter Sodabi getrunken hatten, wurde uns in einem Dorf gezeigt, wie aus Palmen Schnaps hergestellt wird. Dort wurden wir noch weiter herumgeführt, sahen einen kulturellen Chor beim Singen und Tanzen zu und versuchten uns selbst an den Tänzen, leider aber nicht annähernd so gut wie die Gruppe.
Der letzte Ausflug unserer Reise führte uns erneut nach Lomé, wo wir ein ehemaliges Sklavenhaus aus der Kolonialzeit besichtigten. Es war sehr bedrückend, sich vorzustellen, welches Leid dort geschehen ist.
Das Ende unserer Reise rückte immer näher, doch eine Sache mussten wir unbedingt noch gemeinsam machen: Fufu kochen. Nachdem wir es in Kpalimé gegessen hatten, war uns nicht bewusst, wie aufwendig dieses Gericht ist. Einkaufen auf dem Markt, Gemüse schneiden, Yamswurzeln kochen und stampfen, das Ganze nahm fast den ganzen Tag in Anspruch. Aber es hat sich gelohnt. Es war unglaublich lecker.
Dann kam auch schon der letzte Abend und der sollte noch einmal besonders schön werden. Es wurden Tänze aufgeführt und auch wir zeigten ein paar deutsche Tänze. Wir feierten bis tief in die Nacht, weil niemand wollte, dass dieser Abend endet.
Nachdem wir am nächsten Tag unsere Sachen gepackt hatten, hieß es Abschied nehmen. Zu Beginn der Reise hätten wir nie gedacht, wie schwer uns dieser Abschied fallen würde und wie viele Tränen fließen würden.
Die drei Wochen, in denen wir unfassbar viel erlebt haben, haben uns als Gruppe zusammengeschweißt. Wir wurden von Bekannten, fast schon zu einer Familie.
Mit vielen Eindrücken, neuen Freundschaften und Erinnerungen, sind wir zurück nach Deutschland geflogen.
Euer Togo Kreis e.V.